Die Netzwelt – Reithalle, Hans-Otto-Theater Potsdam

Was wäre, wenn? Was wäre, wenn es eine sinnlich erfahrbare virtuelle Realität gäbe, in der alle Bedürfnisse und Obsessionen befriedigt werden könnten? Was wäre, wenn Verbrechen „nur noch“ in der Netzwelt stattfänden? Wäre es trotzdem eine Straftat?
Um diese Fragen geht es in „Die Netzwelt“.


Da mich „Was wäre, wenn“-Fragen sehr faszinieren, habe ich mir das Stück in der Reithalle des Hans-Otto-Theaters an diesem sonnigen Sonntag in Potsdam angesehen.

In dem Stück geht es um ein virtuelles „Refugium“, in welchem die Besucher sich vollständig von ihrem realen Ich lösen und eine ganz andere Gestalt annehmen können; ein Ort, an welchem sie ihren Begierden nachgehen, ohne an die Konsequenzen denken zu müssen. Das ruft bei den Nutzern die dunkelsten Fantasien hervor und führt den Zuschauer an die Abgründe von Pädophilie und Gewalt. Das Mädchen Iris mit hellblondem Haar und Tüllröckchen wird zum Objekt für jegliche Sex- und Gewaltfantasien. In einem Verhör in der realen Welt verteidigt der „Refugium“-Betreiber Sims gegenüber der Agentin Morris diesen Freiraum in der Netzwelt damit, dass dadurch die reale Welt von solchen Exzessen verschont bliebe.

„Die Netzwelt“ ist keine leichte Kost. Das Stück von Jennifer Haley ist intensiv, intellektuell fordernd und verstörend. Es hat den Zuschauer 90 Minuten fest im Griff. Keine Pause für den Verstand. Das Stück kommt mit wenigen Requisiten aus. Es wird getragen vom intensiven Spiel der Darsteller. Den Zuschauer lässt es auch dann nicht los, wenn der Vorhang längst gefallen ist.

„Die Netzwelt“ ist eine dunkle Vision einer digitalen Zukunft, die in Ansätzen längst begonnen hat.

Nächste Termine: 28. April und 11. Mai. Weitere Informationen unter hansottotheater.de.

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